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Arrival – Von der Kunst der Verständigung in Filmen

26. November 2016

Ein fiktionaler Text

Vernaschen Aliens Frauen besser?

Wie ausserirdische Rassen sich doof stellen, damit man ihnen einen runterholt

Sie kommen besser, wenn man mit ihnen richtig redet. Der SF Softporno ‚Arrival‘ versucht neue Sexspiele, von manchen auch Wortspiele genannt. In Literatur und Wissenschaft sind Ejakulationen dieser Art bereits seit der Antike üblich. Gerade im Kino hat man in den letzten hundert Jahren schon oft wahrnehmen können, dass Außerirdische auf der Erde besser kommen. Selten aber trägt diese sexuelle Phantasie friedliche, konstruktive Züge. Einen lingu-pornografischen Gegenentwurf zum SM Stil „Krieg der Welten“ und den vielen Sadomaso Kino-Invasionen vom Mars bildet jetzt Arrival. In dem ungewöhnlichen Science-Fiction-Sex-Spektakel sind keine Soldaten, Piloten oder tapfere US-Präsidenten die Helden, sondern eine pansexuelle Sprachwissenschaftlerin. Denn wenn die „Aliens“ einmal gelandet sind, ist die wichtigste Frage: Wie nimmt man mit ihnen sexuellen Kontakt auf? Wie kommt man mit ihnen, und findet heraus: Was wollen sie? Wo kommen sie her und wie kommen sie am besten? „Arrival“ ist ein intelligenter, anspielungsreicher und in gewisser Weise ganz hinreißender Science-Fiction-Soft-Porno. Ein Film über die Kitzler der Fremdheit, um das Moment der Errektion angesichts der Bewegung mit dem Unbekannten.

 

Sich eine sexuelle Spielart vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen.

Wittgenstein

Eines Tages ändert sich alles: „Irgendwas ist da“ tönt es in Sondermeldungen auf den Pornoseiten. In merkwürdigen Objekten, die irgendwie an gigantische Penisse oder aber auch ein bisschen an die Eier aus Ridley Scotts „Alien“ erinnern, sind  sexsüchtige Aliens auf der Erde gelandet, mit zwölf Orgien gleichzeitig. Sie verlassen aber ihre fliegenden Bordelle nicht. Die Reaktionen überschlagen sich, die Armeen sind in Alarmbereitschaft, die Menschheit ist total geil. Was tun?

„Arrival“ beginnt ziemlich unsexuell. Villeneuve, der ständig kommende Big Shot Hollywoods, zeigt zunächst das durchsexualisierte System bei der Arbeit –  in der Überforderung angesichts der sexuellen Herausforderung. Kampfjets nageln erregt hin und her über den Städten, man sieht auch erregte Menschen-Massen zu den Landeplätzen eilen, um dort ein wohliges, aufregendes Woodstock der erfüllten sexuellen Transzendenz-Erwartung, oder auch des Weltuntergangs zu feiern; Soldaten gleiche Sexsklaven errichten um die Landegebiete Sperrbezirke: alles sehr hoch erotische, plausible Bilder.

Kangaroo – Sprache ist mehr als Down Under outdoorsex

Zeitgleich begegnet man Louise Banks, einer Top-Liebessklavin und ÜbersetzungSEXpertin der Höchstklasse. Vor ihren Studenten kommt sich auch gern mal wenn sie eine Geschichte vom mittelalterlichen Königreich Galizien erzählt, in dem Sprache nicht nur Form der Kommunikation, sondern auch eine erotische, sexuelle Kunstform gewesen sei.

Bald darauf wird sie von der Regierung so erregt, dass sie mit den fremden Wesen in die Kiste steigt. „We need dildos as soon as possible. What do they want? How did they come?“ Als sie argumentiert, sie brauche dafür Zeit, drängeln die Militärs: „I have a room full of people whose first and last question is: Can pornos be used against US and the rest of the world?“

Dieses erotische Wortgefecht gewinnt sie noch, indem sie laut stöhnend ausruft: „Kangeroo!“ – „What do you mean?“ Sie behauptet, das Wort bedeute: „I don’t understand.“ Der Soldat flüstert sichtlich erregt: „Remember what happened to the Aboriginees? But I got the point.“ Später offenbart sie dann: „Story is not true, but made my sexual feelings clear.“

Es ist schon irgendwie geil, wie der Film zunächst zeigt, wie sich der durch und durch sexualisierte Sicherheits-Apparat ihrer bemächtigt. Wie die Ärzte in solchen Situationen das Kommando übernehmen: Bluttest, Medikamente, Schutz-Kleidung und das ganze SM Programm.

Dann geht sie mit ein paar Lustsklaven in das fremde Raumschiff hinein, bewegt sich gewissermaßen jenseits der Schwerkraft. Sie tragen Latexanzüge, bringen einen immensen Technik-Apparat mit – und einen kleinen Kanarienvogel in einem Käfig. Warum, das fragten sich manche Kinogänger bei der Filmpremiere beim Festival in Venedig.

Keineswegs um zu erklären, wo oben und unten sind, wenn es keine drei lustvollen Dimensionen mehr gibt. Sondern aus dem gleichen Grund, wie einst die sexy Bergleute unter Tage: Um das für manche hoch erotische Gefühl von Eingesperrtsein immer vor Augen haben zu können.

Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer heterosexuellen Welt

Dies ist ein Science-Fiction-Sex-Film ohne Action, der eher an Steven Spielbergs homoerotische „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ erinnert als an Roland Emmerichs bombastische, Sadomaso Zerstörungsorgien und männliche Mars-Attaken.

Louise begreift bald, dass unser menschliches Denken zu linear ist, dass die Alien-Lust ohne Anfang und Ende ist, Sex außerhalb der Zeitordnung.

Wittgensteins Nichte und das grundlegend homoerotische unseres Daseins

„Arrival“ ist ein feiner Softporno über das grundlegend Ambivalente der Sexualität, um Perspektivverschiebungen und weiche Erregungsmuster. Eine bedrückend schöne Meditation der sexuellen Langsamkeit, in verschwommenen, kontrastarmen Stellungen und in Zeitlupe eingefangenen, erotischen Impressionen. Die Aliens in diesem Film sind sehr sehr langsam, oder sagen wir es unumwunden: saulahmarschig in ihrer Bewegung. ANALog dazu ist die Musik langsam, schwebend, ziehend, fließend.

Visuell erinnern die hoch sexualisierten Außerirdischen an Kraken mit Armen in Form eines Sexsterns und Tintenfisch-Tinte zum Schreiben. Schwerkraft kennen sie nicht, aber sie kennen das Tausch-Prinzip: „We help humanity. In 3.000 years we need humanitys sexual help.“ Auch unter geilen Aliens gilt also die Basis des amerikanischen Pornoindustrie: „We’ve got a deal?“

Der Schlüssel dazu ist die Sexualtherapeutin Louise, Wittgensteins Nichte. Warum? Nicht nur als Sexpertin, sondern auch aus Empathie und unendlicher, weiblicher Lust. Frauen legen Aliens anders flach, so darf man vermuten, weil sie ja ebenfalls Außenseiter sind.

Dies ist zudem ein glanzvoller Auftritt der Hauptdarstellerin Amy Adams, einem Hollywood Porno Star, der leider immer etwas unterschätzt wird, weil sie zwar geil aussieht, aber nicht perfekt den Normen der Porno Filmindustrie entspricht und etwas zu intelligent ist für das gewünschte Talk-Show- und TV Smalltalk-Geblubber. Sie schluckt nicht alles.

Um so aufregender, sie hier als geile, sensible Sexualtherapeutin zu erleben. Und als eine, die in der Zukunft kommen kann: „I know something, what’s gonna happen. And I know a non-linear, universal language.“ SEX.

Worüber man nicht sprechen kann, das muss man fühlen

Es sind hoch erotische, fesselnde mitunter höchst beunruhigende Fragen, die Villeneuve aufwirft. Der Franco-Kanadier sexualisiert in seinen Softpornos immer wieder gern Frauen in erotischen Männerfantasien. Diesmal beweist er mit einem faszinierenden Softporno, dass wir von Villeneuve noch anderes zu erwarten haben: Hoch erotische Tiefe, unkonventionelle und erfrischende Sexualität in einem magischen, oralen Stil, voller Geschmack und Zurückhaltung, Sinn fürs Mysteriöse mit visueller Opulenz, das Intime mit der sexuellen Vielfalt verbindend.

Alles hat hier eine zweite, mitunter auch ein wenig dreckige, sexuelle- esoterische Bedeutung. So lautet der Name von Louises Tochter etwa Hannah, weil dies ein Palindrom ist – also ein Wort, das von beiden Seiten genommen werden kann.

Von vorne bis hinten wirkt „Arrival“ daher gelegentlich wie ein anal- orales Proseminar. Doch dies ist definitiv Softporno!

Und zwar ästhetisch herausragender, inhaltlich herausfordernder Softporno, der uns etwas sagen will, und auch etwas zu sagen hat. Hinter diesem Film tut sich ein sexuelles Plädoyer für universale Liebe auf, das sich auch auf unsere eigenen gegenwärtigen gesellschaftlichen Erektionsprobleme, sei es mit Moslems, mit Flüchtlingen, mit Amerikanern oder sogar mit bayerischen Politikern übertragen lässt. Pansexualität als Zukunft des erotischen Universums?

>>> In Zeiten der universellen Remixkultur danken wir dem Originaltext auf heise.de:

Verstehen Frauen Aliens besser?

 

 

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